(dpa/sa) Sachsen-Anhalts SPD will neue Jobs für 5000 Langzeitarbeitslose im gemeinnützigen Bereich schaffen und hat dazu am Freitag ein Diskussionspapier vorgelegt. Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten sollen die Betreffenden bei Sozialverbänden, Kommunen oder Museen längerfristig sozial-versicherungspflichtig angestellt werden und mindestens 7,50 Euro in der Stunde verdienen. Sie könnten etwa ältere Menschen beim Einkaufen unterstützen, in Kultureinrichtungen aushelfen, Schüler in Schulbussen begleiten und Aufgaben in Sportvereinen oder Naturschutzprojekten übernehmen.

Die Kosten bezifferte SPD-Chefin Katrin Budde auf rund 100 Millionen Euro jährlich. Ein Fünftel komme auf das Land zu, den Rest könnten Bund und EU übernehmen. "Unser Vorschlag ist machbar und kein Luftschloss."

Bis zur Sommerpause plant die SPD eine Art Runden Tisch mit Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Kammern, um das Konzept zu beraten und gegebenenfalls weiterzuentwickeln. Novum: Umsetzen will sie nur die Punkte, denen neben den Gewerkschaften auch Arbeitgeberorganisationen zustimmen. "Wir wollen das so austarieren, dass alle Ja sagen", sagte SPD-Vorstandsmitglied Andreas Steppuhn.

Start soll - wenn der Koalitionspartner CDU mitmacht - möglichst noch in diesem Jahr sein, spätestens aber nach der Landtagswahl im März 2011. "Wenn wir jetzt schon etwas erreichen, wäre das gut. Ansonsten wollen wir es nach der Wahl in den Koalitionsvertrag einbringen und schnell umsetzen", erläuterte Budde, die auch SPD- Fraktionschefin im Landtag ist.

Laut SPD haben mindestens 35 000 der aktuell 175 000 Erwerbslosen in Sachsen-Anhalt nach vielen Jahren ohne Job sowie aufgrund geringer Qualifizierung und anderer Hemmnisse keine realistische Chance im ersten Arbeitsmarkt. "Auch diesen Menschen müssen wir eine Perspektive geben", sagte Steppuhn. "Das kostet natürlich Geld, aber ich bin sicher, dass sich das im Nachhinein sogar positiv rechnet. Es ist besser, Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren."

Die seit geraumer Zeit praktizierte Bürgerarbeit - also die Beschäftigung Langzeiterwerbsloser in Gemeinden - ist aus SPD-Sicht nicht der richtige Ansatz. Die Bezahlung sei so gering, dass die Menschen nicht aus der Bedürftigkeit kämen. Viele Teilnehmer seien zudem schnell wieder aus dem Projekt draußen und zurück in Hartz IV.