Der SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt hat heute in Quedlinburg sein 20jähriges Bestehen gefeiert. Gekommen waren 280 Gäste, darunter viele Gründungsmitglieder, aktuelle und ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete und Minister der SPD sowie zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens. Der Festakt fand an historischer Stätte statt, schließlich war der Landesverband  vor zwei Jahrzehnten am 25. August 1990 in der Weltkulturerbestadt gegründet worden.

In ihrer Rede würdigte die Landesvorsitzende Katrin Budde die Verdienste der ostdeutschen Sozialdemokratie für die friedliche Revolution und den Demokratisierungsprozess in der DDR. „Die SPD war die erste demokratisch gegründete Partei in der DDR“, sagte sie. Die SPD habe damals dafür gesorgt, dass überhaupt demokratische Wahlen stattfinden konnten. „Schließlich wären ohne uns fast nur ehemalige Blockparteien zu den ersten freien Wahlen angetreten“, erklärte Budde.

Rüdiger Fikentscher, erster SPD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, erinnerte in seinem Grußwort daran, was die Sozialdemokratinnen und die Sozialdemokraten der ersten Stunde damals in Quedlinburg zusammengeführt hatte. „Wir wollten eine demokratische Gesellschaft, wo früher eine Diktatur war. Wir wollten Freiheit, Gleichheit und Solidarität auch für unsere Menschen. Das war und ist unsere Haltung als Sozialdemokraten.“ Zugleich mahnte Fikentscher seine Partei, ihren inneren Kompass immer an diesen Grundwerten auszurichten. „Nur wenn wir nicht vergessen, wo wir herkommen, wissen wir, wo wir hingehen.“

Der SPD-Spitzendkandidat und Finanzminister Jens Bullerjahn forderte die Anwesenden zu einem selbstbewussten Rückblick auf die eigene Geschichte auf. „20 Jahre SPD in Sachsen-Anhalt sind ein Grund zum Feiern“, rief er. „Wir können stolz auf das sein, was wir damals und in den letzten Jahrzehnten geleistet haben.“ Bullerjahn erinnerte an die Verdienste um das Land Sachsen-Anhalt. „Ich schöpfe daraus meine Kraft für den kommenden Wahlkampf“, sagte er unter großem Applaus. „Ich wünsche mir das für uns alle. Dann werden wir auch bei der nächsten Wahl erfolgreich sein.“

Die Festrede für das Jubiläum hielt Erhard Eppler, Bundesminister a.D., sozialdemokratisches Urgestein und Mitstreiter von Willy Brandt. Eppler erinnerte daran, dass der Herbst 1989 „die erste friedliche und erfolgreiche Revolution in Deutschland“ gesehen habe. Dabei sei das Ende der DDR schon im Frühjahr vorauszusehen gewesen. „Die Menschen hatten keine Angst mehr vor dem Regime“, sagte er. „Ein System, das auf Angst aufbaute, war so nicht mehr überlebensfähig.“

Gleichzeitig kritisierte Eppler die „Geschichtspolitik“ konservativer Kreise. „Es gibt Leute, die mit der Verdrehung der Geschichte Politik machen.“ Ein Geschichtsbild, nach der die CDU die Einheit immer angestrebt und die SPD sie früh aufgegeben habe, sei ein Zerrbild. „Die Einheit war keine Frage der Parteien, sondern der Generationen“, sagte er. Eppler wies daraufhin, dass die SPD zahlreiche Kontakte in die Kirchenkreise der DDR gepflegt habe, als die CDU diese Verbindungen gekappt hatte. Die SPD habe die deutsche Einheit nicht immer propagiert, sondern praktiziert. „Eine Partei, die jemanden wie Willy Brandt hervorgebracht hat, hat in der Frage der Einheit keinen Grund, in Sack und Asche zu gehen“, sagte Eppler bedächtig. Zum Schluss seiner Rede wünschte der ehemalige Bundesminister der sachsen-anhaltischen SPD viel Glück: „Für eure Zukunft ist mir nicht bange.“