12.03_06_AsFDer Demografischer Wandel ist mittlerweile allgegenwärtig. Mit der gemeinsamen Veranstaltung zum Frauentag „Frauen machen Zukunft. Der demografische Wandel als Chance“ haben sich der AsF-Stadtverband Magdeburg und der AsF-Landesverband Sachsen-Anhalt diesem hochaktuellen Thema einmal von einer besonderen, bisher meist vernachlässigten Perspektive genähert: im Mittelpunkt standen die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Rechte und Möglichkeiten von Frauen.

„Bis zum Jahr 2025 droht Sachsen-Anhalt ein Bevölkerungsverlust von ca. 440.000 Personen, der Bevölkerungsrückgang bei den Männern wird ca. 17 Prozent, bei den Damen sogar 20 Prozent betragen“, schilderte Kerstin Mogdans, Mitglied des Demografie-Beirats Sachsen-Anhalt, in ihrer Anmoderation die Situation.

Zurückzuführen ist dies zunächst auf den Geburtenrückgang, durch die Abwanderung qualifizierter junger Frauen und Männer wird die Lage zusätzlich verschärft. Am stärksten betroffen ist der ländliche Raum, aber ebenso Städte wie Magdeburg und Halle/Saale. Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf wesentliche gesellschaftliche Grundlagen wie den sozialen Sicherungssystemen und der öffentlichen Daseinsvorsorge. Als Querschnittsaufgabe ist er abhängig von vielen anderen gesellschaftlichen Entwicklungen, einfache Lösungen gibt es so nicht.

 

Angesprochen auf ihre provokante These, dass in manchen ostdeutschen Dörfern vor allem Alte und perspektivlose Männer lebten, konkretisierte Dr. Scurell, Stiftung Bauhaus Dessau, das Problem: „Nicht Frauen kriegen zu wenig Kinder, sondern zu wenig Frauen kriegen Kinder.“ Den Bevölkerungsschwund führt sie auf fehlende Haltefaktoren zurück: „die Leute wandern nicht ab, weil sie vor Ort nicht mehr leben wollen, sondern weil sie hier nicht mehr leben können.“ Die Wissenschaftlerin sucht nach innovativen Ansätzen, um dem demografischen Wandel zu begegnen: Dabei müsse es künftig zu einer Re-Regionalisierung von Wirtschaft und einer Neuorganisation des Zusammenlebens kommen, Nachbarschaftshilfe und der Aufbau von Netzwerken seien hier unverzichtbar.

Dem pflichtete auch Katrin Budde, SPD-Landesvorsitzende, bei. Sie betonte, dass der Politik die Auswirkungen der demografischen Entwicklung in Bezug auf die Situation von Frauen wohl bewusst seien. Tatsächlich würde andere Bereiche wie beispielsweise die Wirtschaft eher hinterher hängen. „Daher ist es wichtig, dass Thema zu institutionalisieren und den Frauen die Möglichkeit zu geben, sich an jeder Stelle dieser Gremien institutionell einzubringen.“ Die SPD geht mit gutem Beispiel voran: der neugegründete „Fachausschuss Demografie“ wird sowohl Gleichstellungspolitiker_innen, den Landesfrauenrat und den Demografiebeirat des Landes Sachsen-Anhalt einbinden.

Corinna Reinecke, ASF-Landesvorsitzende, betonte die bildungspolitischen Auswirkungen des demografischen Wandels. Die Frauen sind heute qualifizierter denn je, der Ausbau ihrer Berufsbiographien führt jedoch auch dazu, dass die jungen Frauen viel später mit der Familiengründung beginnen. Gerade in der Bildungspolitik müssten die Potenziale besser genutzt werden, ist sich Corinna Reinecke sicher: „Wir müssen die Bildungsinhalte und Berufsorientierung so ausrichten, dass sie Mädchen und Jungen gleichermaßen ansprechen.“ Einhergehen müsse dies jedoch genauso mit einer Verbesserung der sozialen Infrastruktur, d.h. der Rahmenbedingungen für junge Familien.

Sarah Schulze, Mitglied im AsF-Stadtvorstand