12.05_08_LebenshilfeDie SPD-Landtagsfraktion hat heute das Lebenshilfe-Werk Magdeburg gGmbH am Sülzeanger in Magdeburg besucht. „Wir führen regelmäßig auswärtige Fraktionssitzungen in allen Ecken des Landes durch, um uns zu verschiedenen Themen vor Ort zu informieren“, erläuterte die Fraktionsvorsitzende Katrin Budde den Hintergrund des Besuchs. „Politische Arbeit ist eben etwas Handfestes und nicht nur Schreibtischarbeit.“

Beim Besuch der Lebenshilfe-Werkstatt ging es um die Beschäftigungschancen von Menschen mit Behinderung. Nach dem Sozialgesetzbuch (§16 SGB II) sind für arbeitslose, erwerbsfähige Hilfebedürftige Eingliederungsleistungen zu erbringen. Dabei sind Arbeit und Beschäftigung mit allen Facetten ein wesentlicher Bestandteil der Eingliederungshilfe. Einen großen Teil dieser Leistungen erbringen anerkannten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. – Das ist in SGB IX geregelt. – Sie dienen dazu, die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit der Menschen zu erhalten, zu entwickeln, zu verbessern oder wieder herzustellen, die Persönlichkeit der Menschen weiterzuentwickeln und ihre Beschäftigung zu ermöglichen oder zu sichern.

Was auch als Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt gedacht ist, erweist sich in der Praxis oft als einzige Möglichkeit zur Beschäftigung, berichteten Dr. Klaus-Dieter Pantke, Vorsitzender des Lebenshilfe e.V., die Lebenshilfe-Geschäftsführerin Heike Woost und der Werkstattrat im Gespräch mit den Abgeordneten über die aktuelle Situation. „Für einige Menschen sind die Werkstätten für behinderte Menschen bisher der einzige Weg zur Teilhabe am Arbeitsleben“, erklärte Heike Woost. „Wir führen gezielte Maßnahmen zur beruflichen Aus- und Fortbildung durch bzw. ermöglichen eine Beschäftigung, die von der individuellen Leistungsfähigkeit abhängt.“ In den Werkstätten gibt es ausgebildete Fachkräfte mit einem großen Erfahrungsschatz, um die Unterstützungsleistungen und Arbeitsprozesse an die Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen. „Unsere Beschäftigten erzielen dabei gute Ergebnisse“, so Dr. Pantke. „Leider hilft ihnen das selten auf dem ersten Arbeitsmarkt.“


Das zeigt auch die Statistik, die gerade unter Behinderten einen hohen Anteil Langzeitarbeitsloser ausweist. „Obwohl wir allgemein einen Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnen können, geht dieser Trend an den Menschen mit Behinderung vorbei“, umreißt Petra Grimm-Benne, parlamentarische Geschäftsführerin und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, die Lage. Als Ursache sieht sie eine weitverbreitete Skepsis bezüglich der Leistungsfähigkeit der Menschen mit Behinderungen. „Diese Zugangsbarrieren müssen wir dringend abbauen und mehr Wahlmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung schaffen“, erklärte Grimm-Benne.


Als eine Maßnahme will die SPD in Sachsen-Anhalt ein staatlich anerkanntes Zertifikat über den erfolgreichen Abschluss in Behindertenwerkstätten einführen. Das soll im Dialog mit der Lebenshilfe geschehen. „Das wäre dann ein Berufsabschluss, mit dem Arbeitgeber etwas anfangen können“, erläuterte Grimm-Benne. „Die Qualität der Ausbildung in den Werkstätten gibt das allemal her. Davon konnten wir uns heute hier bei der Lebenshilfe überzeugen.“ Die Sozialpolitikerin verwies dabei auf Erfahrungen aus dem Saarland, das ein entsprechendes Zertifikat bereits eingeführt hat. „Wenn Arbeitgeber schwarz auf weiß erkennen können, welche Fähigkeiten und Kompetenzen ein Bewerber hat, senkt das die Hürden für eine Einstellung erheblich.“


Mit dieser Maßnahme will die SPD-Fraktion auch die eine der zentralen Forderungen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen umsetzen. Die Schaffung des Zugangs zu qualifizierter Ausbildung, Arbeit und Beschäftigung und als Ziel die Einbindung in den allgemeinen Arbeitsmarkt ist einer der Kernpunkte der Konvention, die die Bundesrepublik bereits im Februar 2009 ratifiziert hat. „Auch wenn Inklusion auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, müssen wir als Gesetzgeber die formellen Hürden beseitigen“, so Grimm-Benne.


Bei der Einführung eines staatlichen Zertifikats strebt die SPD zudem eine Nachzertifizierung der bisherigen Abschlüsse an. Danach sollen nach und nach auch alle Beschäftigten, die in den vergangenen Jahren ihre Berufsbildungsmaßnahmen durchlaufen haben, ebenfalls ein Zeugnis erhalten.