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Von Oliver Schlicht/ Erschienen in der Volksstimme vom 8. März 2012, Seite 3.

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Die Volksstimme hatte eingeladen, und sieben Frauen sind gekommen. Sie halfen mit bei der Gestaltung der heutigen Frauentags-Volksstimme.

Magdeburg l 11 Uhr, Themenkonferenz in der Hauptredaktion der Volksstimme im Druckzentrum Barleben. Chefredakteur Alois Kösters scrollt mit der Computermaus vorsichtig durch das Planungsmodul der Redaktionsthemen. Die Zeitung von morgen soll besprochen werden. Doch die Wortführerschaft kommt dem Chef in der knapp einstündigen Sitzung etwas abhanden. Der Grund ist die geballte Frauenpower, die heute am Tisch Platz genommen hat.

Es geht um Führungspositionen. Warum gibt es so wenig Frauen-Chefs, will der Chef wissen? Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert zuckt mit den Schultern: "Es ist erwiesen, dass gemischte Teams besser arbeiten. Aber der Anteil von Frauen in den Vorständen bei den größten deutschen börsennotierten Unternehmen ist in den vergangenen Jahren von 3,1 Prozent gerade mal auf 3,4 Prozent gestiegen." Theater-Intendantin Karen Stone: "Nach UN-Zahlen machen 70 Prozent der Frauen weltweit die Arbeit, aber nur etwa ein Prozent Land gehört ihnen."

12.03_07_Redaktion_Volksstimme400x267Der Frauentag wirft seine Schatten voraus, im Falle der Volksstimme 24 Stunden, schließlich müssen die Zeitungsmacherinnen und Zeitungsmacher einen Tag im Voraus denken. Zur Gestaltung der morgigen Volksstimme hatte Chefredakteur Alois Köster einige Frauen aus dem öffentlichen Leben eingeladen, um in der Redaktionskonferenz Akzente für die Frauentagsausgabe der nordsachsen-anhaltischen Regionalzeitung zu setzen.

Der Einladung war neben Anne Bartke, Bundesligaspielerin vom Frauen-Fußball-Club Magdeburg, Christiane Bergmann, Polizeipräsidentin Sachsen-Anhalt-Süd, Prof. Dr. Claudia Dalbert, Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Jaspers, Präsidentin des Landgerichts Sachsen-Anhalt, Astrid Stolze, Standortleiterin der Daimler-Benz-Nieerlassung Magdeburg, und Karen Stone, Intendantin des Theaters Magdeburg, auch Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und SPD-Landesvorsitzende, gefolgt.

IMG_4448_500x333Nach Presseberichten plant Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Jahressteuergesetz 2013, den Sold von Wehrdienstleistende und die Bezüge von Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Bundesfreiwilligendienst zu besteuern. Bisher waren der Sold der Wehrpflichtigen und die Bezüge von Zivildienstleistenden steuerfrei.

Dies sei nicht mehr möglich, da Wehrdienst und Bundesfreiwilligendienst nach der Aussetzung der Wehrpflicht keine staatlich verordneten Dienste seien.

Dazu erklärt Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und SPD-Landesvorsitzende: „Wenn die Bundesregierung die Pläne des Bundesfinanzministers umsetzt, torpediert sie ihre eigene Politik. Sie hat nach der Aussetzung der Wehrpflicht den Bundesfreiwilligendienst eingeführt, um die Lücken zu schließen, die der ebenfalls ausgesetzte Zivildienst hinterlässt. Gleichzeitig beklagt sie Probleme, junge Rekrutinnen und Rekruten sowie Freiwillige zu finden. Jetzt will sie dieses Problem selbst verschärfen.

12.03_08_FrauentagAnlässlich des Internationalen Frauentages 2012 erklärt Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und SPD-Landesvorsitzende: „Das beherrschende politische Thema der letzten Jahre war die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Fokus standen der Erhalt von Arbeitsplätzen, die Rettung von Betrieben und mit dem EURO und Griechenland die Rettung ganzer Währungen und Volkswirtschaften. Die Gleichberechtigung von Frauen wurde da von Vielen als Luxus oder gar Hemmnis für die Lösung der Probleme dargestellt.

Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist aber weder Luxus noch Hemmnis, sie ist eine der Lösungen, um aus der Krise zu kommen. Die Realität ist: Immer noch verdienen Frauen im Schnitt nur etwa drei Viertel des Durchschnittsgehalts ihrer männlichen Kollegen. Immer noch sind die Karrierechancen von Frauen eingeschränkt, weil sie es sind, die sich hauptsächlich um die Familie kümmern. Immer noch ist es  nicht ausreichend möglich, Beruf und Familie problemlos miteinander zu vereinbaren.

5671_Katrin_Budde_212x300Liebe Genossinnen und Genossen,

Déjà-vus sind selten im politischen Leben, das vorletzte Wochenende hat uns dennoch eines beschert. Gemeinsam mit CDU/CSU und FDP haben SPD und Grüne ihren Kandidaten von der letzten Bundespräsidentenwahl, Joachim Gauck, auf den Schild gehoben. Das entspricht der gefühlten Stimmungslage in der Bevölkerung und nährt die Hoffnung, dass die Amtszeit Wulff als unbedeutendes Interregnum in die Geschichtsbücher eingehen wird. Gaucks Wahl in der Bundesversammlung dürfte Formsache sein. Gut so!

Ein einfacher Bundespräsident wird er allerdings nicht sein, weder für die Menschen, er ist erklärter Gegner der Politikverdrossenheit, noch für den Politikbetrieb, er ist ein unbequemer Mahner, und schon gar nicht für das linke Lager um die SPD, denn Gauck ist bekennender Konservativer, dessen politische Ansichten nicht selten gegen die der Sozialdemokratie stehen.

Schlimm ist das nicht. Wer einen politischen Menschen im Amte will, der muss ihm politische Standpunkte lassen, auch wenn es nicht die eigenen sind. Die Linke hat das nicht begriffen, sie lehnt den Demokratielehrer Gauck ab. Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik, denn sie hätte ihn am meisten nötig!

Eure

Katrin Budde